Diary: What to Do with Corona


Ich habe die Pandemie zu Beginn stark unterschätzt, da ich von Natur aus ein eher optimistischer Mensch bin. Nun trifft mich die aktuelle Situation und ihre Realität umso härter. Vor mehr als vier Wochen wurde meine Schule geschlossen, an der ich Fotografie studiere. Ich hatte noch irgendwie Zeit die wichtigsten Sachen aus meinem Spint einzupacken, ein bisschen Chemie für den Home Darkroom und Film - Papier habe ich natürlich vergessen. Die erste Woche ist ziemlich schnell vergangen, und ich war noch ziemlich positiv gestimmt, naiv wie ich manchmal bin, auf den 19.4.20 fixiert, das alles wieder normale Wege einschlägt. Jetzt gibt es aber keine wirkliche Aussicht auf Besserung. Keine Shootings, keine Aufträge, kein Alltag mehr. Na toll. Meine Stimmung kippt von Woche zu Woche.

 

Ich weiß, es ist sicherlich für alle momentan nicht einfach, aber es ist echt hart! Und das möchte ich hier auch irgendwie loswerden und teilen. Vor ein paar Tagen habe ich einen sehr ehrlichen Beitrag von Masha Sedgwick  über die Herausforderungen als Paar, während der Corona Krise, gelesen. Sie spricht mir ein wenig aus der Seele, es ist nicht super romantisch die meiste Zeit aufeinander zu hocken. Auch ich und mein Freund haben schon viel gestritten in diesen Wochen der erzwungenen Nähe und wir sind uns ganz schön auf die Nerven gegangen. Momentan geht es aber wieder und langsam spielen wir uns immer besser ein, weil wir begriffen haben uns Freiraum zu geben und die bewussten gemeinsamen Momente wieder viel mehr zu genießen, wie zum Beispiel ein Fahrradausflug auf's Feld oder zusammen kochen. 

Im Folgenden habe ich eine kleine Auswahl von Dingen zusammen gestellt, die mir helfen meinen Alltag trotz Ausnahmezustand zu meistern und nicht völlig den Halt zu verlieren. Ich mache mir einen 1 Tagesplan, normalerweise bin ich kein Fan von "Plänen" oder "Listen", aber momentan hilft es mir, nicht den Überblick zu verlieren und vor allem kleine Erfolgserlebnisse zu verspüren. Das ist super wichtig und nimmt ein bisschen den Druck, den vielleicht auch andere Menschen verspüren, etwas zu leisten, das "Beste" aus der Situation rauszuholen und ganz viel zu lernen. 

 

Da wir leider keinen "Sonnenbalkon" besitzen, versuche ich jeden Tag rauszugehen, meistens fahre ich Fahrrad und nehme dabei meine 3 Kamera mit. Die Bilder sind Eindrücke die ich während meiner Touren aufgenommen habe, um ein wenig die Situation in Berlin zu dokumentieren. Jeder Kiez fühlt sich anders an. Neben dieser Form von Therapie, lese ich wieder mehr, um auf andere Gedanken zu kommen. Hier eine kleine Selektion von spannenden 4 Artikeln zum Beispiel von ThisIsJaneWayne die über den wichtigen Bezug zwischen Sozialpolitik, Feminismus und Corona diskutieren. Ebenfalls ein toller und ehrlicher Artikel, der mir aus der Seele spricht von Fabienne Sand über unbequeme Wahrheiten und die Tatsache, dass auch ich echt müde bin.



Weiter geht's mit einer 5 Playlist, die ich auf Spotify zusammen gestellt habe, eine Quarantäne Playlist, yeah. Das gute Stück heißt "Spring Days in Quarantine" und es ist positiv, mit einem leichten Hauch zum Weltschmerz und unfassbarem Fernweh. Wie Marion Black schon singt "Who Knows what Tomorrow will bring, maybe Sunshine maybe Rain..." - entspricht so ungefähr der Stimmung, mit der ich momentan morgens aus dem Bett komme.

 

Endlich habe ich auch die Zeit meine heiß geliebten 6 Doku's weiter auf Netflix und anderen Streams abzuarbeiten, im Folgenden einige Videos zu Musik - und Fotohelden und Heldinnen des 20. Jahrhunderts, die mich echt inspiriert und beeindruckt haben:


Für Kreative wie mich, ist die aktuelle Situation ein finanzielles Disaster, weil es mir nicht möglich ist, Aufträge entgegen zu nehmen oder anderweitig zu arbeiten. Home Office gestaltet sich schwierig, dafür arbeite ich an meinem Archiv und versuche ein wenig Ordnung auf meinen Festplatten umzusetzen. Es gibt momentan auch viele ausgeschriebene 7Fotowettbewerbe zum Thema des Shutdown und dessen Auswirkungen auf unser soziales Leben. Einige davon verlangen nichtmal unbedingt neue Arbeiten, sondern eben auch Bilder aus dem Archiv. 

 

Ein weiteres Highlight, dass ich bei meinem täglichen Stöbern im Web gefunden habe, ist die Möglichkeit vergangene 8 VOGUE Ausgaben als E-Paper kostenlos herunter zu laden. Darunter finden sich die Februar-, März- und Aprilausgabe. Und wenn ihr Zeit und Lust habt schaut doch mal in das neue BLONDE Magazin, in dem unser Editorial "IN BLOOM" zu finden ist. Das Magazin stellt die Frage: Und was jetzt? - darin finden sich viele bunte Seiten und bunte Artikel, die unseren aktuellen Fragen Raum schenken und auch ein bisschen ablenken von den Alltagssorgen.

 

Da ich nun viel mehr Zeit zur Verfügung habe, versuche ich mich ebenfalls im 9Backen, was ich davor regelrecht boykottiert habe. Ich bin absoluter Amateur wenn es um's Backen geht, also habe ich langsam angefangen. Es gibt super leckere und einfache Rezepte für vegane Haferkekse, sowie veganes Bananenbrot, die habe ich von einer Kollegin bekommen. Kekse und Bananenbrot lassen sich auch super als Snack mit in die Uni, zur Arbeit oder in die Schule nehmen oder für zwischendurch wenn ich Lust auf Süßes bekomme.

 

Last but not least - 10 Sport machen und damit meine ich nicht nur Yoga für Zuhause, sondern raus gehen, natürlich mit Abstand und einfach laufen. Ich sitze viel zuhause am Laptop herum und merke immer wieder wie eingerostet mein Körper danach ist. Teilweise fühlt es sich richtig schwer an, meinen Körper in Schwung zu bringen. Auch das Aufstehen macht mich manchmal echt fertig, zu wissen das heute wieder ein Tag zuhause sein wird. Wenn ich dann mal so richtig schlechte Laune bekomme, rufe ich Mama an, danach geht es mir immer besser. Auch über die Osterfeiertage musste ich in Berlin bleiben, was mich anfangs echt runtergezogen hat, also haben wir mit unseren Freunden einen Osterbrunch via Videokonferenz organisiert.

Irgendwann ist das alles auch hoffentlich wieder vorbei. Ich habe diesen Artikel auch als einen Reminder für mich selbst geschrieben, um nicht zu vergessen, dass dieser Zustand kein absoluter Zustand ist. Die Welt dreht sich immer weiter und wir müssen uns eben mit ihr drehen, ob wir wollen oder nicht. 


text & photos: Theresa Lou